westerngitarre

10 Fakten zur Westerngitarre (Kaufratgeber)

Gitarren zählen zu den populärsten Instrumenten überhaupt. Sie sind vom Lagerfeuer bis zu den größten Bühnen der Welt vertreten und im Lauf der Zeit haben sich für alle Anwendungen Spezialformen gebildet.

Deshalb haben wir uns in diesem Ratgeber ausschließlich dieser wundervollen Gitarre gewidmet. Mit Anleitungen, Tipps und Empfehlungen. Ich wäre überrascht, wenn du hier nichts neues lernen würdest. Also sei gespannt und nehme dir 5 Minuten Zeit für diesen Ratgeber.

Augenscheinlich ist die modernste Form, nämlich die E-Gitarre, etwas anderes als die klassische Gitarre, auch spanische oder Konzertgitarre genannt. Die meisten Laien wissen jedoch nicht, dass es noch viel mehr Formen der Gitarre gibt. Die wichtigste Bauform ist die Westerngitarre. Sie ist die am weitesten verbreitete Gitarrenart, deren Klang wohl jeder Mensch schon einmal gehört hat.

Grundmerkmale der Westerngitarre

Westerngitarren

Äußerlich unterscheidet sich die Westerngitarre kaum von der Konzertgitarre, die klanglichen und spielerischen Unterschiede sind aber frappierend. Das wichtigste Merkmal ist die Art der Saiten. Während die Konzertgitarre historisch mit sechs Saiten aus Darm, heutzutage eher aus Nylon, bespannt ist, trägt die Westerngitarre Stahlsaiten.

Dabei bestehen die vier tiefen Saiten aus einem Stahlkern mit Umwicklung, während die beiden hohen Saiten nicht umwickelt werden. Das exakte Material des Wickeldrahts kann dabei variieren: Beliebt sind vor allem Bronze-Legierungen, die heute häufig einen Anteil Phosphor erhalten. Aber auch Nickelbeschichtungen kommen zur Anwendung.

Kurzum, die Variabilität ist größer, aber grundsätzlich schwingen Saiten aus Metall anders als Darm oder Nylon, nämlich deutlich länger und lauter. Gleichzeitig brauchen die Saiten etwas mehr Kraft, um in Schwingung versetzt zu werden. Der Klang wird dadurch voluminöser und brillanter, die Töne klingen zudem länger aus. Die Konzertgitarre klingt dagegen wärmer und weicher.

Die sechssaitige Westerngitarre wird in dieselbe Stimmung versetzt wie die Konzertgitarre, nämlich E2 – A2 – D3 – G3 – H3 – E4. Der unflexiblere Stahl benötigt dafür deutlich mehr Spannung, wodurch die Stahlsaiten eine viel größere Kraft auf die Konstruktion ausüben.

 

Konstruktion der Westerngitarre

Die Gitarrenbauer haben daher diverse Methoden entwickelt, um dieser Kraft entgegenzuwirken. Ein wesentliches Merkmal ist ein Stahlstab, der sogenannte „Truss Rod“, der in den Hals jeder Westerngitarre eingelassen ist. Dieser verstärkt das Holz, sodass es dem Saitenzug weniger nachgibt.

Moderne Truss Rods sind einstellbar, um passend zur Saitenstärke einen idealen Gegenzug zu justieren. Aber auch das natürliche Nachgeben des Holzes im Lauf der Jahre kann so korrigiert werden.

Der höhere Saitenzug definiert die gesamte Konstruktion der Westerngitarre. Auch die Korpusdecke wird verstärkt, indem Streben angebracht werden, die dem Saitenzug entgegenwirken, aber gleichzeitig die Schwingfähigkeit der Decke möglichst wenig beeinträchtigen sollen.

Diese Konstruktion gibt es auch bei der Konzertgitarre, allerdings ist ihre traditionell fächerförmige Verstrebung dem hohen Zug der Stahlsaiten nicht gewachsen. Tatsächlich hat die Firma Martin Guitars Mitte des 19. Jahrhunderts bereits für Konzertgitarren eine solidere, X-förmige Verstrebung entwickelt, die man auch auf die Westerngitarre übertrug.

Erst kürzlich hat die Firma von Bob Taylor wieder begonnen, die musikalischen Vorzüge der V-förmigen Verstrebung wieder beim Bau von Westerngitarren anzuwenden – doch das ist ein wissenschaftliches Thema für sich…

Wichtig ist zu wissen, dass Martin der Pionier der modernen, amerikanischen Westerngitarre ist. Denn in den Frühtagen der Westerngitarre war sie der Konzertgitarre noch recht ähnlich, angefangen vom 8-förmigen Korpus bis hin zur geschlitzten Kopfplatte mit innen liegenden Stimmmechaniken.

Um den Klang zu verbessern, aber auch den Komfort zu erhöhen, gab es nach und nach wesentliche Änderungen. Die Stimmwirbel werden heutzutage senkrecht durch Löcher in der Kopfplatte montiert, um das Wechseln der Saiten zu erleichtern. Die Saiten haben am Korpusende außerdem ein Kügelchen („Ball End“), das durch die Brücke und die Decke durchgeführt wird.

Was noch wichtig ist

westerngitarre

Dort hakt sich das Ende an einem Schlitz in der Decke fest, die Lücke wird mit einem Pin geschlossen. Diese Methode ist deutlich einfacher und gleichzeitig stabiler als die traditionelle Verknotung auf der Konzertgitarre, aber sie verbessert zugleich den Druck jeder Saite auf den Steg, was wiederum zum direkteren und schwingfreudigeren Klang der Westerngitarre beiträgt.

Außerdem entwickelte sich die Westerngitarre in modernen Ensembles des 20. Jahrhunderts von einem Begleitinstrument zu einem tragenden Soloinstrument, zum Beispiel im Jazz und Swing. Dafür war eine klassische Konzertgitarre, aber auch eine Martin-Westerngitarre, zu leise. Obwohl die Stahlsaiten lauter klangen und ihre Frequenzen sich zwischen Blas- und Schlaginstrumenten besser durchsetzen konnten, war ihr Volumen insgesamt zu leise.

Abhilfe wollte man sich durch einen größeren Korpus verschaffen. Je größer der Klangkörper und die schwingende Decke, desto kräftiger die Resonanz, desto lauter das Instrument und desto stärker ausgeprägt die Bass- und Höhenanteile im Gesamtklang.

Kurzum, der Korpus wurde schrittweise vergrößert, bis schließlich die Taille fast völlig verschwand und ein riesiger Korpus mit nur noch vager Anlehnung an eine Acht entstand: Der sogenannte Dreadnought, benannt nach einem amerikanischen Kriegsschiff. Tatsächlich prägt diese Korpusform bis heute das allgemeine Bild der Westerngitarre und dient fast schon als Unterscheidung zur schmaleren, taillierten Konzertgitarre.

Allerdings sind auch stärker taillierte Bauformen bis heute üblich und weit verbreitet, allen voran bei Taylors „Grand Auditorium“. Das andere Extrem, nämlich die Jumbo-Form, ist sehr deutlich 8-förmig, lädt aber noch weiter aus als die Dreadnought-Form und sorgt so für noch mehr Schwingmasse. Ein bekannter Pionier der Jumbo-Form ist die Firma Gibson.

Die Konstruktion der Westerngitarre kann man also kurz zusammenfassen: Stahlsaiten, die durch die Decke gezogen werden; ein Halsspannstab als Ausgleich gegen den Saitenzug; Mechaniken auf der Oberseite der Kopfplatte; der Korpus ist im Allgemeinen deutlich größer als der der Konzertgitarre, häufig als Dreadnought mit nur leichter Taille.

 

Die Holzauswahl der Westerngitarre

Nun haben wir viel über die Konstruktion der Westerngitarre gesprochen, aber aus welchem Holz ist sie geschnitzt? Nun, geschnitzt ist sie zwar nicht, aber natürlich ist das Holz letzten Endes das, was einer Gitarre ihren Ton verleiht. Wobei die Reihenfolge tatsächlich die richtige ist, denn unter Gitarrenbaumeistern ist man sich absolut bewusst und einig, dass die Konstruktion und die Korpusform die entscheidenden Zutaten für den Gitarrenklang sind.

Das Holz ist klanglich gesehen die Würze, in Sachen Konstruktion aber auch der neuralgische Punkt der Gitarre. Denn mit der Auswahl der Hölzer steht und fällt das gesamte Konstrukt.

Der wichtigste Teil ist dabei die Korpusdecke. Die Art und Weise der Verstrebung ist dabei maßgeblich an der Klangformung beteiligt. Ist sie nicht stabil genug, wird sich die Decke verziehen und damit nicht nur die Intonation und Bespielbarkeit verschlechtern, sondern das gesamte Instrument würde früher oder später kollabieren. Ist die Verstrebung dagegen zu massiv, dämpft sie den Klang der Gitarre und beeinträchtigt das Ausschwingverhalten („Sustain“) der Töne.

Von daher kommen von vornherein nur Hölzer infrage, die an sich schon eine hohe Stabilität aufweisen. Gleichzeitig müssen sie aber auch elastisch genug sein, um die Schwingung der Saiten dynamisch aufzunehmen. Die beliebtesten Deckenhölzer sind Fichte und Zeder, aber auch Harthölzer wie Mahagoni werden oft verwendet.

Sweet Spot

Gitarre

Besonders Sitka- und Engelmannfichtenhölzer bilden den idealen „sweet spot“ zwischen Steifheit, Stabilität und Flexibilität. Sie sind höchst resonant, aber auch dynamisch und klanglich vielseitig.

Die Korpuszargen und der Korpusbodens addieren dazu ein gewisses Timbre. Traditionell kommt Mahagoni zum Einsatz, sein Klang ist mittig, warm und kraftvoll. Gitarrenbauer experimentieren aber gerne. Bekannte, beliebte und daher bis heute häufig verwendete Hölzer sind daher Palisander (mächtige, klare Bässe und Höhen), Ahorn (brillant und weniger obertonlastig), Koa (etwas hochmittiger als Mahagoni) und deren artverwandte Sorten geworden.

Aus denselben Hölzern werden auch die Hälse gefertigt, bei denen jedoch noch stärker das Spielgefühl und die Stabilität im Fokus stehen. Das Griffbrett besteht bei Akustikgitarren fast ausschließlich aus Palisander oder Ebenholz, da diese Hölzer auch ohne Lackierung hart und widerstandsfähig genug sind, um dem dauernden Druck der Greifhand standzuhalten.

Ansonsten gilt: Es ist erlaubt, was gefällt. Wie gesagt, Gitarrenbauer sind experimentierfreudig und es gibt eine Menge exotischer Hölzer, die gerne verwendet werden und den Gitarren optisch wie klanglich neue Facetten verleihen.

 

Alternative Bauformen

Sechs Saiten und was oben noch so steht, das ist die Westerngitarre, oder? Nicht ganz, denn die Experimentierfreude geht über das Material weit hinaus und es gibt einige alternative Bauformen, die mehr oder weniger verbreitet sind. Die bekannteste Modifikation basiert auf dem Gedanken, die Gitarre als Soloinstrument zu nutzen: Man verpasst ihr ein „Cutaway“.

Das ist quasi ein Einschnitt an der rechten, oberen Korpusschulter, der der Greifhand damit leichteren Zugang zu den höheren Lagen verschafft. Ein Cutaway ist auch meist ein Zeichen dafür, dass ein magnetischer oder piezoelektrischer Tonabnehmer verbaut ist. Mit diesem Hilfsmittel kann man die Gitarre direkt an eine Anlage anschließen und verstärkt wiedergeben.

Besonders beliebt in Folk wie Pop ist die zwölfsaitige Westerngitarre. Bei ihr werden alle Saiten doppelt, also in Chören aufgespannt, wobei die vier tiefen Saiten eine Paarsaite eine Oktave höher erhalten, und nur h- und e-Saite doppelt gespannt werden. Noch exotischere Varianten davon sind Gitarren, bei denen die zwei, drei oder vier höheren Saiten Chöre erhalten und nur die Basssaiten einzeln klingen.

Weitere Varianten…

befassen sich mit der Mensur, also der Länge der schwingenden Saite zwischen Steg und Sattel. Die übliche Mensur von Westerngitarren beträgt, je nach Gitarrenbauer, zwischen 24,5 und 25,5 Zoll (622 bis 648 Millimeter). Eine Baritongitarre kann dagegen eine Mensur von bis zu 30 Zoll (762 Millimeter) aufweisen und wird tiefer gestimmt. Entgegen landläufiger Meinung ist die „Bassgitarre“ allerdings keine Westerngitarre.

Hier hat man lediglich den großen Kontrabass in eine handlichere Form gepackt, streng genommen ist ein Bass daher keine Gitarre. Umgekehrt gibt es aber auch Gitarren mit kürzerer Mensur, die für Kinder und als Reiseinstrument besonders gut geeignet sind.

In Sachen Bauform ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Schon seit einigen Jahrzehnten entwickeln Gitarrenbauer diverse Konzepte, die optisch oder klanglich begründet sein können. Pioniere sind Hersteller wie Godin oder Ovation, die sich besonders mit der Tauglichkeit der Westerngitarren auf lauten Bühnen befassen.

 

Berühmte Hersteller und Modelle

Wir haben schon einige wichtige Hersteller erwähnt und jeder davon hat einige Parademodelle, die nicht nur das Unternehmen, sondern die gesamte Gattung der Westerngitarren repräsentieren.

Exemplarisch für die typische Dreadnought-Form ist das Modell D-28 von Martin. Ein weiterer, historisch wichtiger Hersteller ist Gibson, der mit dem Jumbo-Modell SJ-200 glänzt. Einer der Vorreiter moderner Westerngitarren ist Taylor mit dem Modell 814, das den Dreadnought-Klang mit einer etwas komfortableren Korpustaille verbindet. Bühnengitarristen greifen seit den 1980er Jahren dagegen gerne auf die Celebrity-Modelle von Ovation zurück.

Aber diese Liste ist schier unerschöpflich, denn jeder Geschmack und jede Stilrichtung erfordern kleine, aber feine Unterschiede. Weitere renommierte und empfehlenswerte Hersteller sind unter anderem Breedlove, Cort, Epiphone, Fender, Furch, Guild, Ibanez, Lakewood, Sigma, Takamine und Yamaha.

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